Das Wacholderbäumchen aus Elte

Wohin zieht es 29 Viertklässler der Johannesschule aus Mesum, wenn sie sich bei schwüler Witterung zu Fuß auf einen Weg begeben? Wenn ihr Ziel da lautet: noch erhaltene Spuren des Wanderers, Lehrers und Missionars Liudger aufzuspüren und gleichzeitig Schönheiten in der Natur der eigenen Heimat sehen und wertschätzen zu lernen. Nach Elte zieht es die Kinder, denn in diesem beschaulichen Ort weilte vor 1200 Jahren der Hl. Liudger. So erzählt es die Legende, so tradiert es die Volksfrömmigkeit.

„Es wird erzählt“, erklärt Theo Weischer als erfahrener Kenner der Liudgerforschung den aufmerksamen Kindern, „dass der Hl. Liduger auf einer seiner Durchreisen seinen Wanderstab auf dem Hofe Thiemann stehen ließ. Eine andere sagenhafte Geschichte will wissen, dass der Hl. Liudger die damals sehr ärmlich lebenden Bewohner von Elte vor einer Gänseplage schützen konnte.“ Sichtlich ergriffen zeigen sich die jungen Zuhörer, als sie von den harten und widrigen Lebensumständen ihrer um das Jahr 800 n. Chr. lebenden Vorfahren hören. Als ein äußerst gebildeter Mann habe sich, so fuhr Herr Weischer fort, Liudger zum Studium in den heutigen Ländern Italien, England und den Niederlanden aufgehalten und dabei den Wunsch einer Verbundenheit aller Menschen und Völker entwickelt. Sicherlich hätte es dem schon damals international denkenden Liduger gefallen, wenn er die Mesumer Kinder am Eingang des Naturlehrpfades ein Begrüßungslied in verschiedenen Sprachen hätte singen hören. Unter Anleitung von Reinhold Hemker brachten die Kinder ihr Lied nicht nur auf Deutsch, sondern auch in der Sprache der Shona (Simbabwe), mit Anastasijas Hilfe auf Russisch und dank Ramadans und Leonards Übersetzung auf Romanes dar.

Egon Stienemann kennt den Namen eines jeden Baumes und Strauches. Staunend folgen die Kinder den Worten der bekannten Naturliebhabers und beobachten, wie dieser mit geschickten Händen aus aufgesammelten Weidenstöcken ein drehbares Wasserrad bastelt. Dessen Funktionstüchtigkeit darf Elias im naheliegenden Mühlenbach gleich ausprobieren.

„Da wachsen ja auch Brennnesseln“ ruft Luca, als Herr Bülter den Kindern einen üppig blühenden Vorgarten in der Nähe der Ludgerikirche zeigt. „Die Brennnessel erfüllt eine wichtige Aufgabe“, erklärt der passionierte Imker, „und zusammen mit den Kornblumen und dem Klatschmohn ist dieser Garten nicht nur wunderschön, sondern auch hilfreich für unsere Bienen.“ Herr Bülter appelliert an die Kinder den besonderen Wert der Bienen achten zu lernen – nicht nur als Honigproduzent sondern auch als Bestäuber unserer Obstbäume. Dem kann Reinhold Hemker nur beipflichten und schenkt in seinem Garten frischen Apfelsaft, gekeltert aus nur einheimischen Äpfeln aus. „Hm, lecker!“, ruft Finn, als er das köstliche Getränk probiert. Er und seine Mitschüler beobachten lang das lautlose aber rege Treiben der an den Teichen lebenden Insekten in Hemkers giftfreien Garten. Aber nicht nur Bienen, Libellen, Käfer finden hier Heimat: zahlreiche exotisch anmutende Figuren aus Afrika schmücken dieses Fleckchen Erde und wecken Neugierde auf eine ferne Welt.

Den eigenen Blick geöffnet für andere Zeiten und Orte, das eigene Herz berührt von der Begegnung mit Menschen voller Leidenschaft ziehen die Kinder zurück in ihren Heimatort. Im Gepäck ein junges Wacholderbäumchen. „Für euren Mesumer Schulgarten“, hatte Herr Stienemann lächelnd zum Abschied gesagt.

Hier ein paar Bilder von dem Ausflug:

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